Donnerstag, 31 Juli 2025 16:29

Beschäftigungslage in Siegen-Wittgenstein verändert sich deutlich

Mehr Zuwanderer und Ältere sichern Beschäftigung in der Region. Mehr Zuwanderer und Ältere sichern Beschäftigung in der Region. pixabay/Foto illustrativ

Die Arbeitsmarktzahlen im Juli 2025 für den Kreis Siegen-Wittgenstein zeigen sowohl Herausforderungen als auch stabile Entwicklungen. Besonders auffällig ist die Rolle älterer Menschen, ausländischer Arbeitskräfte und Teilzeitbeschäftigter, ohne die das aktuelle Beschäftigungsniveau nicht zu halten wäre.

Inhaltsverzeichnis:

Arbeitslosigkeit steigt trotz Nachfrage in Betrieben

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen im Juli 2025 stieg im Kreis Siegen-Wittgenstein auf 9724. Das waren 423 Menschen mehr als im Juni und 325 mehr als im Juli des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 6,2 Prozent. Im Bereich der Arbeitsagentur (SGB III) lag die Arbeitslosigkeit bei 3372 Personen, während das Jobcenter (SGB II) 6352 Menschen betreute. Damit betreute das Jobcenter 65 Prozent aller Arbeitslosen im Kreis.

Die Zahl der Neumeldungen lag bei 2206 Personen, darunter 607, die zuvor beschäftigt waren. Gleichzeitig konnten 1804 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden. Davon nahmen 492 eine neue Tätigkeit auf. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit bleibt die Einstellungsbereitschaft in Unternehmen bestehen. Insgesamt meldeten Betriebe im Juli 276 neue Stellen, sodass aktuell 1730 offene Positionen registriert sind.

Stephanie Krömer - Ohne Zuwanderung kein stabiles Beschäftigungsniveau

Zum Jahresende 2024 waren im Agenturbezirk Siegen-Wittgenstein und Olpe 182.281 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind nur 62 mehr als im Vorjahr – ein Zeichen für Stabilität, aber auch für geringe Dynamik. Der Anstieg geht fast ausschließlich auf ausländische Arbeitskräfte zurück, deren Beschäftigungszahl um 5,4 Prozent zulegte. Im selben Zeitraum sank die Zahl deutscher Beschäftigter um 0,7 Prozent auf 160.128.

Stephanie Krömer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Siegen, unterstreicht den wachsenden Einfluss von Zuwanderern: „Ohne Menschen mit Migrationshintergrund wäre das aktuelle Beschäftigungsniveau nicht zu halten.“ Die Auswirkungen sind nicht nur im Arbeitsmarkt, sondern auch im Ausbildungssystem sichtbar.

Zunahme bei älteren Beschäftigten ab 65 Jahren

Ein markanter Trend betrifft Menschen ab 65 Jahren. Ihre Zahl stieg um 8,8 Prozent, was auf die demografische Entwicklung und eine zunehmende Arbeitsbereitschaft im Alter hinweist. Fachkräfte, die in Rente gehen, können durch jüngere Arbeitskräfte nicht vollständig ersetzt werden. Dieser Umstand wird die Rolle älterer Erwerbstätiger in Zukunft weiter stärken.

Auch Teilzeitmodelle gewinnen weiter an Bedeutung. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe wurde ein Anstieg von 2,2 Prozent verzeichnet. Während Vollzeitstellen kaum zunehmen, entscheiden sich mehr Beschäftigte bewusst für reduzierte Arbeitszeiten. Diese Entwicklung beeinflusst den gesamten Arbeitsmarkt und spiegelt eine Verschiebung in der Arbeitszeitgestaltung wider.

Strukturwandel bei Berufsgruppen

Die Beschäftigung verschiebt sich zunehmend in Richtung qualifizierter Tätigkeiten. Zwar nimmt die Zahl der Beschäftigten in einfachen Helfertätigkeiten leicht ab, gleichzeitig wächst die Zahl der Fachkräfte in Spezialisten- und Expertenberufen. Dieser Trend belegt einen strukturellen Wandel, der auch auf die Anforderungen der regionalen Wirtschaft zurückzuführen ist.

Besonders gefragt bleiben Berufe in:

  • wirtschaftsnahen Dienstleistungen
  • verarbeitendem Gewerbe
  • Gesundheits- und Sozialwesen
  • Kfz-Reparatur und Handel
  • Baugewerbe
  • wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen

Der Arbeitsmarkt in Siegen-Wittgenstein steht im Zeichen des Wandels. Trotz steigender Arbeitslosigkeit zeigt sich eine hohe Stabilität bei Beschäftigten – getragen von Zuwanderung, Älteren und Teilzeitkräften. Unternehmen halten an ihren Fachkräften fest, doch die demografischen Veränderungen und die wachsende Bedeutung qualifizierter Arbeit werden den Arbeitsmarkt nachhaltig prägen.

Quelle: WESTFALENPOST, www.patizonet.com/de/