Dienstag, 12 August 2025 17:08

Drogenprobleme am Neumarkt spitzen sich weiter zu

Offener Drogenkonsum am Neumarkt in Köln Offener Drogenkonsum am Neumarkt in Köln pixabay/Foto illustrativ

In Köln sorgt die Situation rund um den Neumarkt für große Besorgnis. Täglich versammeln sich dort zahlreiche Abhängige, konsumieren Drogen im Freien und handeln offen mit Suchtmitteln. Die Verwahrlosung im Umfeld nimmt laut Beobachtungen deutlich zu. Parteien, Behörden und Anwohnende suchen dringend nach Lösungen.

Inhaltsverzeichnis:

Anwohner schildern Zustände vor ungarischem Restaurant

Zwei Anwohnende berichten von Vorfällen an einem ungarischen Restaurant in der Nähe des Neumarkts. Sechs Männer hielten sich dort auf. Zwei von ihnen hatten sogenannte Packs mit portioniertem Crack in der Hand und verkauften diese. Vier weitere Männer saßen auf dem Bürgersteig und rauchten die Droge unmittelbar nach dem Kauf.

Die Anwohner erklärten, dass an manchen Tagen bis zu 30 Männer an diesem Ort sitzen. Viele Passanten wechselten aus Angst die Straßenseite. Besonders Kinder seien verängstigt. An diesem Sonntagnachmittag waren in den umliegenden Straßen und Plätzen mehrere Gruppen oder Einzelpersonen zu sehen, die Heroin spritzten oder Crack rauchten – offen und ohne jede Hemmung. Polizeipräsenz war zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar.

Politische Debatte im Kölner Hauptausschuss

Der Hauptausschuss der Stadt Köln befasste sich in einer aktuellen Sitzung mit dem Thema. Parteien und Verwaltung sind sich einig, dass die aktuelle Lage nicht tragbar ist. Am Neumarkt befindet sich derzeit der einzige Drogenkonsumraum für ganz Köln.

Politiker fordern eine Dezentralisierung der Angebote. Geplant sind:

  1. Ein weiterer Drogenkonsumraum im rechtsrheinischen Stadtteil Kalk noch in diesem Jahr.
  2. Eine zusätzliche Einrichtung in der Nähe des Hauptbahnhofs zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Kosten für die städtische Drogenhilfe werden dadurch von derzeit rund 3 Millionen Euro auf etwa 14 Millionen Euro steigen. Gründe sind erweiterte räumliche Kapazitäten und verbesserte medizinische Betreuung.

Unterschiedliche parteipolitische Ansätze

Die Grünen betonen die Notwendigkeit verbesserter Betreuung und räumlicher Entlastung des Neumarkts. Die SPD sieht Versäumnisse bei der bisherigen Drogenpolitik der schwarz-grünen Koalition, unterstützt jedoch den Ausbau der Hilfsangebote. Die CDU fordert neben den neuen Angeboten einen stärkeren polizeilichen Einsatz gegen Dealer.

Die Lage am Neumarkt gilt für viele Anwohnende als seit Langem untragbar. Zahlreiche Menschen wollen aus dem Viertel wegziehen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen.

Alltag zwischen Angst und Resignation

An diesem sonnigen Nachmittag wirken selbst hartgesottene Anwohnende verunsichert. Einige schützen ihre Kinder, indem sie den Bereich großräumig meiden. Manche berichten, dass frühere politische Versprechen bisher kaum zu spürbaren Verbesserungen geführt haben.

In manchen Fällen konsumieren Abhängige zwar verdeckt unter Decken, doch das bleibt die Ausnahme. Die offenen Drogenszenen prägen nach wie vor das Bild des Neumarkts. Viele Bewohner zweifeln daran, dass die geplanten Maßnahmen kurzfristig zu spürbaren Veränderungen führen.

Quelle: WDR, www.24edu.info/de